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Der Wettbewerb


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Vor einiger Zeit verabredeten eine deutsche und eine japanische Firma ein jährliches Wettrudern mit einem Achter auf dem Rhein.

Beide Mannschaften trainierten lange und hart. Als der Tag für das erste Wettrennen endlich gekommen war, präsentierten sich beide Mannschaften topfit. Die Japaner gewannen das Rennen jedoch mit einem Vorsprung von einem Kilometer.

Nach dieser enttäuschenden Niederlage war das deutsche Team sehr betroffen. Die Moral erreichte einen Tiefpunkt. Das Management entschied sofort, den Grund für die vernichtende Niederlage zu sondieren. Ein Projekt-Team wurde eingesetzt, das die Ursachen ergründen und geeignete Maßnahmen empfehlen sollte.

Nach vielen Untersuchungen fand man heraus, daß bei den Japanern sieben Leute ruderten und ein Mann steuerte, während im deutschen Team ein Mann ruderte und sieben steuerten.

Das Management reagierte prompt. Eine Beraterfirma wurde beauftragt, eine qualifizierte Studie über die Struktur des deutschen Teams mit konkreten Verbesserungsvorschlägen zu erstellen.

Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kamen die Berater zu dem Schluß, daß zu viele Leute steuerten und zu wenige ruderten. Außerdem seien wichtige rechtliche Rahmenbedingungen nicht eingehalten. Die Berater empfahlen dringend, die Teamstruktur zu ändern.

Das Team wurde deshalb neu strukuriert: Es hatte nun einen Steuerdirektor, eine Steuerdirektor-Assistentin, einen weiblichen Steuermann, eine Gleichstellungsbeauftrage, einen Anti-Diskrimminierungsbeauftragten, eine ausländische farbige Rudererin, einen über 60-jährigen Ruderer und einen körperbehinderten Ruderer, der sich beim Rudern jeweils zur halben Wegstrecke mit dem über 60-jährigen Ruderer abwechselte. Wer von den beiden gerade nicht ruderte, hatte das Boot mit lautem Gesang zu motivieren.

Außerdem wurde ein modernes Leistungsbewertungssystem eingeführt, um die Ruderer mehr anzuspornen. Politisch wurden diese Anstrengungen durch eine Erhöhung der Steuern auf Siegprämien für Rudererinnen und Ruderer mit einem jährlichen Einkommen von über 70 000 Euro flankiert, einzutragen bei der Steuererklärung in der Anlage S.

Im nächsten Jahr gewannen die Japaner mit einem Vorsprung von über drei Kilometern.

Das Management entließ daraufhin die Ruderer wegen schlechter Leistungen, stoppte alle Investitionen und verkaufte das Boot.

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